Druckansicht - Mittwoch 8. Februar 2012
Erstes Treffen der kirchlichen Ombudsstellen mit Klasnic

 

Zahl der Kontaktnahmen bei kirchlichen Ombudsstellen im April rückläufig - Konkrete Hilfe für Opfer steht im Vordergrund

 

unknown  

 

 

 

Wien, 06. 05. 10 (KAP) Die Unabhängige Opferschutzanwältin Waltraud Klasnic und die Opferschutzkommission sind am Donnerstagnachmittag erstmals mit den Ombudsleuten der Diözesen zusammengetroffen. Im Gespräch mit "Kathpress" betonte Klasnic, dass sie von der Professionalität der kirchlichen Ombudsleute sehr beeindruckt sei. "Die Erfahrungen der Ombudsstellen sind für meine Tätigkeit als Unabhängige Opferschutzanwältin eine große Hilfe", hob Klasnic hervor, die zum Treffen in das Büro der Opferschutzanwaltschaft in Wien eingeladen hatte.


Zentrales Thema seien Fragen der konkreten Zusammenarbeit der Ombudsstellen mit der Opferschutzanwaltschaft gewesen. Dabei habe sich gezeigt, dass Betroffene von Gewalt und sexuellem Missbrauch das Angebot sowohl der Ombudsstellen als auch der Opferschutzanwaltschaft sehr gut annehmen.


Beim Treffen der Ombudsstellen sei auch deutlich geworden, dass sich in nicht wenigen Fällen ein und dieselbe Person gleichzeitig an mehrere Stellen wendet. "Die gemeinsame Abklärung solcher Überschneidungen wird jetzt in Angriff genommen, damit wir rasch allen helfen können, die sich melden", betonte Klasnic nach dem Treffen mit den kirchlichen Ombudsstellen.


Laut Klasnic haben bisher über 500 Personen telefonisch, per E-Mail oder auf anderem Weg die Unabhängige Opferschutzanwaltschaft kontaktiert. Rund 150 Kontakte seien als konkrete Verdachtsfälle einzustufen, betonte Klasnic. Eine weitere Abklärung erfolge in persönlichen Gesprächen mit Psychologen und Experten. Bei den übrigen Kontakten sei es oft darum gegangen, dass Personen "ihrem Ärger über die Kirche Luft machen wollten, Beobachtungen allgemeiner Art machten oder einfach in der Opferschutzanwaltschaft mithelfen wollten", so Klasnic.


Zahl der Kontaktnahmen rückläufig


Einen spürbaren Rückgang der Kontaktnahmen verzeichnen die kirchlichen Ombudsstellen. Der Leiter der Wiener Ombudsstelle, Prof. Johannes Wancata, gab am Donnerstag "Kathpress" gegenüber bekannt, dass es im Monat April österreichweit insgesamt 257 Kontakte mit den kirchlichen Ombudsstellen gab. In den Monaten davor habe es 566 Kontakte mit allen Ombudsstellen gegeben, fast alle davon im März. "Die Ombudsstellen haben offensichtlich das Vertrauen der Betroffenen, und gleichzeitig haben die Kontaktnahmen abgenommen", fasst Wancata die Situation zusammen.


"Die allermeisten Kontakte beziehen sich auf Vorfälle, die sich im Zeitraum von den 1960er bis in die 1980er Jahre ereignet haben sollen", gab Wancata bekannt. Lediglich bei rund 3 Prozent aller Kontakte sei derzeit anzunehmen, dass sie im strafrechtlich Sinn nicht verjährt seien. "Es zeigt sich auch, dass sich die Fälle von Gewalt mit jenen von sexuellem Missbrauch in etwa die Waage halten", erläuterte Johannes Wancata die Erhebungen der kirchlichen Ombudsstellen.


Wancata wies wie Klasnic darauf hin, dass es offenbar zahlreiche Doppel- und Mehrfachmeldungen gäbe. Alle Ombudsstellen hätte das Personal deutlich verstärkt, um jeden Kontakt durch weiterführende Gespräche rasch abzuklären, ob es sich dabei wirklich um einen Missbrauchsfall handle. Wancata betonte, dass die Anzahl der Kontakte daher keineswegs mit der Zahl der konkreten Verdachtsfälle gleichzusetzen sei.


Die meisten Kontakte gab es laut Wancata bei der Ombudsstelle der Erzdiözese Wien, die im April 91 Kontaktnahmen (Gesamtkontakte seit Jänner: 265) zu verzeichnen hat. Es folgen die Ombudsstellen der Diözese Innsbruck (April: 30; Gesamtkontakte seit Jänner: 145), Linz (April: 38; Gesamtkontakte seit Jänner: 116), Graz-Seckau (April: 23; Gesamtkontakte seit Jänner: 86), Salzburg (April: 23; Gesamtkontakte seit Jänner: 78), St. Pölten (April: 25; Gesamtkontakte seit Jänner: 47), Eisenstadt (April: 11; Gesamtkontakte seit Jänner: 40) sowie Feldkirch (April: 9; Gesamtkontakte seit Jänner: 23) und Gurk-Klagenfurt (April: 7; Gesamtkontakte seit Jänner: 23).


"Allen Ombudsleuten geht es darum, dass den wirklichen Opfern rasch geholfen wird", fasste Prof. Wancata die Generallinie der kirchlichen Hilfsangebote abschließend zusammen.

Die Ombudsstellen sind die ersten
Anlaufstationen in allen Fällen bzw.
Verdachtsfällen von sexueller Gewalt
und Missbrauch innerhalb der
katholischen Kirche in Österreich.

unknown



unknown



unknown



unknown


© 2012 Medienreferat der Österreichischen Bischofskonferenz. Alle Rechte vorbehalten.
© 2012 Medienreferat der Österreichischen Bischofskonferenz. Alle Rechte vorbehalten.