Druckansicht - Mittwoch 22. Februar 2012
Klasnic für Errichtung einer staatlichen Anlaufstelle

Bundesweite Stelle für Missbrauchsopfer gefordert - Klasnic-Kommission will Ende 2012 Endbericht vorlegen und danach in abgeänderter Form weiterarbeiten

 

Wien, 27.10.2011 (KAP) Waltraud Klasnic tritt für die Errichtung einer österreichweiten staatlichen Anlaufstelle für Missbrauchsopfer ein. Das erklärte die Unabhängige Opferschutzanwältin gegenüber der Austria Presseagentur (APA) und dem ORF-Radio Ö1 im "Morgenjournal" am Donnerstag. Hinsichtlich der Bearbeitung von Missbrauchsfällen im kirchlichen Bereich kündigte Klasnic für Ende 2012 eine Endbericht an. Bis dahin wolle die auf Initiative der Katholischen Kirche entstandene Unabhängige Opferschutzkommission den Großteil ihrer konkreten Entscheidungen getroffen haben. Auch wolle man nach Ende 2012 in abgeänderter Form weiterarbeiten und zur Verfügung stehen, so Klasnic.

 

Konkret plädierte Waltraud Klasnic für die Schaffung einer unabhängigen Kommission sowie unabhängigen Anlaufstelle auf interministerieller Ebene, die für alle Bundesinstitutionen zuständig sein sollen. Gleichzeitig werde die Unabhängige Opferschutzkommission "ihre Arbeit uneingeschränkt für den kirchlichen Bereich fortführen", erläuterte deren Sprecher, Prof. Herwig Hösele, am Donnerstag im Gespräch mit "Kathpress".

 

Die neue Einrichtung könnte administrativ bei der Volksanwaltschaft, dem Familienministerium oder dem Bundeskanzleramt angesiedelt sein. Wesentlich sei, dass die Anlaufstelle "prominent besetzt" und für Missbrauchsopfer "praktisch und einfach erreichbar" sei, so Hösele. Zudem hätte die bundesweite Stelle "eine koordinierende Funktion" zu den bereits bestehenden Kommissionen in den Bundesländer und in der Kirche. Dies sei auch deswegen wichtig, weil es immer wieder Missbrauchsfälle gibt, bei denen sowohl Kirche wie auch Staat betroffen und zuständig sind.

 

Zur aktuellen Arbeit der Klasnic-Kommission sagte Hösele, dass sich bis 21. Oktober 2011 insgesamt 1.058 Betroffene von Gewalt und Missbrauch in der katholischen Kirche gemeldet haben. Insgesamt konnten bis jetzt 435 Entscheidungen getroffen werden, der Großteil davon in der Opferschutzkommission. Bei den insgesamt 375 Kommissionsbeschlüssen kam es in 20 Fällen zu einer Ablehnung. Deutlich rückläufig sei die Zahl der Meldungen: Seit 31. Mai dieses Jahres gab es 42 neue Meldungen und 120 Entscheidungen. Zum Jahresende 2010 wurden demgegenüber 709 Meldungen und 97 Entscheidungen verzeichnet.

 

Einen detaillierten Zwischenbericht der Unabhängige Opferschutzkommission werde es laut Hösele noch im nächsten Halbjahr geben. Aller Voraussicht nach werde die Kommission bis Ende 2012 den "Großteil ihrer konkreten Aufarbeitungsentscheidungen" getroffen haben und dazu auch einen Endbericht vorlegen.

 

Daneben gibt es seit September 2011 auch eine wissenschaftliche Begleitforschung. Sie steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Brigitte Lueger-Schuster von der Universität Wien. Der Titel des Projekts lautet: "Psychotraumatologische Fragestellungen zu sexuellem Missbrauch und Gewalt in der katholischen Kirche".

Die Ombudsstellen sind die ersten
Anlaufstationen in allen Fällen bzw.
Verdachtsfällen von sexueller Gewalt
und Missbrauch innerhalb der
katholischen Kirche in Österreich.

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© 2012 Medienreferat der Österreichischen Bischofskonferenz. Alle Rechte vorbehalten.
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