Donnerstag 22. Juni 2017
Ombudsstellen
gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch im kirchlichen Bereich

Fakten & Zahlen

 

Seit 2010 hat die Unabhängige Opferschutzkommission 1.455 Fälle zugunsten der Opfer entschieden. Die Kirche hat alle Entscheidungen der "Klasnic-Kommission" akzeptiert und umgesetzt.

 

Den Opfern wurden bisher in Summe 22 Mio. Euro zuerkannt, davon 17,6 Mio. Euro als Finanzhilfen und 4,4 Mio. Euro für Therapien

 

Von allen Betroffenen haben 878 angegeben, dass sie Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind. In allen anderen Fällen ging es um Formen von körperlicher bzw. psychischer Gewalt.

 

Die meisten Vorfälle sind rechtlich verjährt: 55% haben sich vor 1970 ereignet, 44 % von 1970 bis 1999 und 1% seit 2000.

 

(Stand: 11. März 2016)

 

Rahmenordnung

Einleitung

 

Umgang mit Missbrauch und Gewalt in der Kirche

 

In den vergangenen Jahren gab es in allen Diözesen Österreichs mehrere Bemühungen und Initiativen im Hinblick auf den Umgang mit Missbrauch und Gewalt in der Kirche. So wurden beispielsweise in allen Diözesen Ombudsstellen eingerichtet, die für Opfer von Missbrauch und Gewalt in der Kirche unabhängige Anlaufstellen sind.

 

Die intensive Kinder- und Jugendarbeit in kirchlichen Institutionen, insbesondere in den Pfarren, zeigt, dass den Mitarbeitern in der Kinder- und Jugendpastoral berechtigtes Vertrauen entgegengebracht wird. Um dieses Vertrauen auch in Zukunft zu erhalten, setzt sich die Kirche in Österreich weiterhin intensiv für Prävention ein, leistet, wenn ein Missbrauch geschieht, rasche und effiziente Hilfe für das Opfer und zieht Konsequenzen für den Täter.

 

Im Frühjahr 2010 wurde die Kirche durch Bekanntwerden von Missbrauch und Gewalt in kirchlichen Einrichtungen herausgefordert, sich dieser Problematik erneut zu stellen.

 

Die Generalvikarekonferenz Österreichs erarbeitete zusammen mit Mitarbeitern aus den Ombudsstellen und den Diözesen einen Grundlagentext1, dem die österreichischen Bischöfe bei der Frühjahrsversammlung 20102 volle Zustimmung gegeben haben. Die Bischöfe beauftragten daraufhin eine Projektgruppe3 mit der Ausarbeitung österreichweit gültiger Regelungen für den Umgang mit Missbrauch und Gewalt in der Kirche, wobei die in der Erzdiözese Wien gültigen Bestimmungen als Grundlage dienten.4

 

Bei einigen Arbeitstreffen von März bis Mai 2010 hat sich die Projektgruppe mit der gesamten Thematik umfassend auseinandergesetzt. In Kleingruppen und unter Beiziehung von Experten wurden mehrere Texte ausgearbeitet. Die Bischöfe, Generalvikare und Ordensoberen sowie Mitarbeiter der Ombudsstellen und weitere Fachleute wurden um Rückmeldung dazu gebeten. Ende Mai 2010 wurde die Endredaktion der vorliegenden Rahmenordnung durchgeführt. Im Juni 2010 haben die österreichischen Bischöfe dieser Ordnung zugestimmt und sie für die katholische Kirche in Österreich als verbindlich erklärt und die Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften und die Vereinigung der Frauenorden Österreichs eingeladen, die Bestimmungen für ihren Bereich anzunehmen.5

 


"Die Wahrheit wird euch frei machen"

 

» als PDF herunterladen


 

Mit dieser Rahmenordnung wird klargestellt, dass die Kirche jegliche Form von Missbrauch und Gewalt verurteilt und entschieden bekämpft. Mit den konkreten Bestimmungen und Vorgangsweisen wird unter anderem deutlich zum Ausdruck gebracht, dass Missbrauch keineswegs ein „Kavaliersdelikt“ ist. In schweren erwiesenen Fällen ist er vielmehr ein Grund für die Beendigung des kirchlichen Dienstes.6

 

Die nun veröffentlichten Regelungen stellen einen wichtigen Beitrag dar, Missbrauch und Gewalt zu verhindern und im Anlassfall professionell und konsequent zu handeln. Dadurch möge die Glaubwürdigkeit der Kirche gestärkt werden.

 

Wesentlich ist, dass die nun erarbeitete und beschlossene Rahmenordnung durch konkrete Schritte in allen Einrichtungen der katholischen Kirche Österreichs umgesetzt wird. Dazu ermutigt uns auch Papst Benedikt XVI.: „Wir wollen alles tun, um solchen Missbrauch nicht wieder vorkommen zu lassen ... Wir sehen das Geschehene als Auftrag zur Reinigung an, der uns in die Zukunft begleitet ...“7

 

Der Heilige Geist möge die gesamte Umsetzung dieser Ordnung mit seinem Licht und seiner Klarheit leiten.

 

Mariazell, 21. Juni 2010

Gedenktag des hl. Aloisius von Gonzaga

 

 

Kardinal Dr. Christoph Schönborn

Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz

 


 

Vorwort

 

zur zweiten, überarbeiteten und ergänzten Auflage

 

Seit der Approbation und der Veröffentlichung der Rahmenordnung für die katholische Kirche in Österreich „Die Wahrheit wird euch freimachen“ im Juni 2010 sind arbeitsreiche Jahre vergangen.

 

Die Unabhängige Opferschutzanwaltschaft unter der Leitung von Frau Waltraud Klasnic hat bis zum 15. Februar 2013 alle bei ihr direkt oder über die diözesanen Ombudsstellen eingegangenen Meldungen betreffend Gewalt oder sexuellen Missbrauch durch Vertreter der katholischen Kirche in Österreich an Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren bearbeitet.

 

Von der Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft wurde eine Kommission – die Unabhängige Opferschutzkommission – eingerichtet, die in Hinblick auf die aus persönlichen Gesprächen mit den Betroffenen bekannt gewordenen Fakten und mit Berücksichtigung der von Fachleuten durchgeführten Clearings die Entscheidungen bezüglich Gewährung finanzieller und therapeutischer Hilfen zu treffen hatte. Es war dann Aufgabe der von der Österreichischen Bischofskonferenz gemeinsam mit der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs und der Vereinigung der Frauenorden Österreichs eingerichteten Stiftung Opferschutz, diese Empfehlungen der Unabhängigen Opferschutzkommission den jeweils zuständigen Oberen (Bischöfen, Äbten, Oberinnen) mitzuteilen und die Auszahlungen der finanziellen Hilfen und der Abrechnung der Therapiestunden abzuwickeln.

 

Die am 21. Juni 2010 erlassene Rahmenordnung ist aus einer großen Not heraus erstellt worden. Nach Jahren intensiver Arbeit zeigte sich immer deutlicher die Notwendigkeit einer Überarbeitung.

 

Eine von der Österreichischen Bischofskonferenz eingesetzte Arbeitsgruppe hat diesen Auftrag in zahlreichen Sitzungen durchgeführt und die von der Glaubenskongregation übermittelten Anregungen berücksichtigt. Die Arbeit der Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft war inzwischen fortgeschritten und der größte Teil der bei ihr eingelangten Meldungen bereits bearbeitet. So war der Zeitpunkt für den Übergang in eine neue Arbeitsweise günstig. Dafür mussten in den Diözesen die diözesanen Kommissionen vervollständigt und manche Vorgangsweisen geklärt werden. Das bedeutete nochmals viel Arbeit, insbesondere für die Geschäftsführung der Stiftung Opferschutz, aber auch für die Diözesen.

 

Am 15. Februar 2013 gab es ein österreichweites Treffen mit Vertretung aller diözesanen Ombudsstellen und Kommissionen, der Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft und der Stiftung Opferschutz. Seit diesem Tag werden alle Meldungen bezüglich Gewalt und sexuellem Missbrauch durch Vertreter der katholischen Kirche von den diözesanen Ombudsstellen entgegengenommen und durch die diözesanen Kommissionen umfassend geprüft. Auch die Stellungnahme des Beschuldigten wird eingeholt. Die Unabhängige Opferschutzkommission unter der Leitung von Frau Waltraud Klasnic befindet weiterhin über die Höhe der freiwillig zu leistenden Zahlungen für therapeutische und finanzielle Hilfestellungen. Sie stützt sich dabei auf die Unterlagen, die ihr durch die Ombudsstellen und die diö zesanen Kommissionen vorgelegt werden.

 

So ist es nun möglich geworden, ein ausgereiftes Regelwerk vorzulegen, das von der Österreichischen Bischofskonferenz sowie von der Superiorenkonferenz und der Vereinigung der Frauenorden Österreichs approbiert worden ist und den Charakter einer für alle Diözesen und Orden gültigen Selbstverpflichtung trägt.

 

Diese Jahre waren eine schmerzhafte Erfahrung, belastend für alle, die daran beteiligt waren. Zugleich war es aber auch ein notwendiger, heilender Vorgang. Möglich wurde es nur durch den herzhaften und engagierten Einsatz Vieler, die sich größtenteils ehrenamtlich, oft zusätzlich zu einer umfangreichen beruflichen Arbeit dafür zur Verfügung stellten.

 

Wir haben daher viele Gründe, ein aufrichtiges Vergelt’s Gott auszusprechen: an erster Stelle für die Tätigkeit der Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft, die wirklich Großartiges geleistet hat, auch für alle Bemühungen seitens der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stiftung Opferschutz, die manchmal an die Grenzen der Belastbarkeit geraten sind. Nicht zuletzt gebührt auch großer Dank und Anerkennung den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den diözesanen Ombudsstellen und Kommissionen, die weitgehend ehrenamtlich, mit großer Verantwortung und viel Umsicht und Nächstenliebe an der Arbeit sind.

 

Es ist uns bewusst, dass die Bemühungen um Schutz vor Gewalt und Missbrauch niemals als abgeschlossen betrachtet werden können.

 

Das größte Anliegen ist und bleibt die Prävention. Als Folge des Schocks der vielen Anschuldigungen insbesondere im Jahr 2010 hat wohl in allen Diözesen und Orden Österreichs eine große Anstrengung im Sinne dieser Prävention eingesetzt. Wir dürfen darin nicht nachlassen, im Gegenteil, sie muss in allen Bereichen zu einem unbedingt notwendigen Bestandteil der seelsorglichen Arbeit werden. Sie hat ja auch inzwischen in fast allen Diözesen bereits als eine dauerhafte Einrichtung eine konkrete Gestalt angenommen.

 

Gleichzeitig wird es notwendig sein, sehr wachsam zu bleiben, allen eingehenden Meldungen, die auf das mögliche Vorliegen von Problemen hinweisen, sofort nachzugehen und entsprechend den Bestimmungen der nun vorliegenden Rahmenordnung zu handeln.

 

Bischof Dr. Klaus Küng

 

 

Kardinal Dr. Christop Schönborn

 


1 25. Februar 2010, Salzburg

2 Frühjahrsvollversammlung vom 1. bis 4. März 2010 in St. Pölten

3 Siehe Teil C (Verfahrensordnung) Kapitel 7

4 Behelf: Verhinderung sexuellen Missbrauchs, Wien 2006

5 Sommervollversammlung vom 21.–24. Juni 2010 in Mariazell; vgl. zur Verbindlichkeit cann 447 und 455 CIC.

6 Darunter ist zu verstehen: die Beendigung der hauptamtlichen oder ehrenamtlichen Tätigkeit in der Kirche gegebenenfalls bis hin zur Entlassung aus dem Klerikerstand, aus einem Orden oder einer anderen kirchlichen Gemeinschaft.

7 Aus der Predigt zum Abschluss des Priesterjahres, 11. Juni 2010.

Neue Rahmenordnung

Hier können Sie die neu überarbeitete Rahmenordnung "Die Wahrheit wird euch frei machen" (Stand September 2016) für die katholische Kirche in Österreich einsehen und

 

» Online nachlesen

» als pdf herunterladen

 

Medienreferat der Österreichischen
Bischofskonferenz

Stephansplatz 4/6/1
A-1010 Wien
Darstellung:
http://www.weltanschauungsfragen.at/